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Lausitzer Rundschau 20. Oktober 2016
Gewitter aus Geistesblitzen und Lebensweisheiten
Hartmut Schatte stellt bei Hugendubel Aphorismenband vor
Eva-Maria Winkel von der Cottbuser Buchhandlung Hugendubel sollte recht behalten, als sie für die Buchpräsentation von Hartmut Schattes Aphorismen-Band "Die Realität ist noch schlimmer als die Wirklichkeit" jede Menge Geistesblitze versprach. Im voll besetzten Veranstaltungsraum entlud sich ein wahres Gewitter.
Drei Menschen mit Humor auf einem Podium, die sich die Bälle nur so zuwerfen, musikalisch begleitet von den Saspower Dixieland Stompers – das muss ansteckend wirken. So oft gelacht wurde jedenfalls selten bei einer Buchpremiere in Cottbus. Und noch einen weiteren Superlativ verdient dieser Abend: Vorgestellt wurde das vielleicht schönste Buch aus dem Cottbuser Regia-Verlag. Was zu einem Gutteil dem Zeichner und Gestalter Meinhard Bärmich zu verdanken ist.

Einen kleinen Eindruck von der Vielseitigkeit dieses Künstlers vermittelt die Ausstellung, welche bis zum 12. November zu den Öffnungszeiten der Buchhandlung zu sehen ist.

34 Bücher in zehn Jahren 34 Bücher in zehn Jahren

Moderator Klaus Wilke, der im Vorfeld die Buchveröffentlichungen von Hartmut Schatte zusammengetragen hat, fügt den vermerkten Spitzenleistungen eine weitere hinzu. Der Autor mit dem offenbar unerschöpflichen Themenreservoir hat in zehn Jahren 34 Bücher herausgebracht. "Allein das macht ihn reif für das Guinnessbuch der Rekorde", stellt der Literaturkritiker fest.

An den Illustrationen Meinhard Bärmichs lobt Wilke vor allem die "ganz leichte Feder". Seine Zeichnungen sind "Geistesblitze, Einsichten, Lebensweisheiten – wie Aphorismen". Den Künstler veranlasst das zum öffentlichen Nachdenken darüber, ob nicht ein Aphorismenband ganz ohne Worte möglich wäre.

Aphorismen sind ungeschriebene Romane oder Romane zum Selberschreiben, darin ist sich das Trio einig. Wie Hartmut Schatte zu seinen Aphorismen kommt? "Die meisten fallen mir ein, wenn ich auf dem Fahrrad sitze", gesteht der Cottbuser. Seine Frau müsse häufig absteigen und warten, bis er alles im stets mitgeführten Notizbuch festgehalten hat.

Und Meinhard Bärmichs Zeichnungen? Genau zu beobachten, sei das Wichtigste, erklärt der Künstler. Am besten gelinge ihm das, wenn ein Missgeschick passiert ist, bekennt Bärmich. Und erntet für die Geschichte vom Mann mit Hund, die sich nach anfänglich klarer Ablehnung doch gemeinsam zu einem Galeriebesuch entschließen, schallendes Gelächter. Dieses Erlebnis hat der Künstler in zwei Bildern festgehalten. Sie sind Teil seiner aktuellen Ausstellung im Buchhaus.

"Das Leben ist voller Geheimnisse", sinniert der Illustrator und reflektiert über seine Eltern: die Mutter, Kindergärtnerin und katholisch, hat sich in der Kirchengemeinde engagiert, der Vater in der SED. Geschadet hat ihm das nicht, vielleicht aber veranlasst, genauer hinzuschauen. "Ich bin Agnostiker", bekennt der Zeichner. "Alexis Sorbas", den mit Anthony Quinn grandios verfilmten Schelmenroman, hat Meinhard Bärmich schon oft gelesen. Die Geschichte über diesen Menschen voller Lebensfreude sei Lebenshilfe für ihn.

Literarischer Kitt für Geschichte

Hartmut Schatte mag Strittmatter und vergräbt sich aus Recherchegründen häufig in Geschichtsbüchern. Es geht ihm darum, "historische Dinge exakt darzustellen und mit literarischem Kitt lesbar zu machen".

Klaus Wilke hat bei Hartmut Schatte den Ton von Ephraim Kishon ausfindig gemacht. Der weist das nicht zurück, betont aber, Werke des israelischen Satirikers erst in die Hand genommen zu haben, nachdem er von diesem Vergleich gehört hatte.

Unterm Strich macht dieser Abend viel Lust auf Lesen. "Ein Buch ist die billigste Fahrkarte in ein fremdes Land", stellt Moderator Klaus Wilke fest – und erntet Zustimmung.

Die Eintrittsgelder des Abends in Höhe von 300 Euro spenden die Akteure und Gastgeber Hugendubel komplett der Literaturwerkstatt im Glad-House.

Meinhard Bärmichs Ausstellung bei Hugendubel läuft noch bis Mitte November.

Ulrike Elsner

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